Glossar

Dieses Glossar erläutert wichtige Begriffe und zentrale Konzepte aus den Bereichen Datenkompetenz und Geographische Informationssysteme.

A

Attribut

Ein Attribut ist eine Eigenschaft oder Merkmal. Für einen Strassendatensatz könnten beispielsweise folgende Attribute erfasst werden:

  • Name
  • Strassentyp
  • erlaubte Geschwindigkeit
  • Durchschnittlicher Tagesverkehr (DTV)
  • Gefälle
  • Breite
  • Länge

Die Ausprägungen (Name: Dornacherstrasse) in einem → Objekt werden als Attributwerte bezeichnet.

B

Barrierefrei

Barrierefreie Datenvisualisierungen sind so gestaltet, dass sie für alle Menschen zugänglich und verständlich sind, und zwar unabhängig von körperlichen oder kognitiven Einschränkungen. In der Datenvisualisierung geht es dabei beispielsweise um die Verwendung von farbenblindenfreundlichen Farbpaletten, ausreichenden Kontrasten und klaren Beschriftungen.

Beispiel: Für die Abstimmungskarten verwendet das SRF Blau und Rot anstelle Grün und Rot, damit die Karten auch für Personen mit Farbsehschwächen gut lesbar sind (SRF 2015):

Quelle: SRF (2015): Aus Grün und Rot wird Blau und Rot [Stand: 18.12.2025]

C

Chartjunk

Der Begriff ‹Chartjunk› stammt von Edward Tufte und beschreibt überflüssige Elemente in Visualisierungen, die keine zusätzliche Information liefern und vom eigentlichen Inhalt ablenken.

D

Dateiformat

In einem GIS können unterschiedliche Dateiformate für die Erfassung, Verwaltung, Analyse und Präsentation (→ EVAP-Modell) eingesetzt werden, zum Beispiel:

→ Rasterdaten

  • GeoPackage (.gpkg)
  • Graphics Interchange Format (.gif)
  • JPEG File Interchange Format (.jpg)
  • Tagged Image File Format (.tif/.tiff)

→ Vektordaten

  • GeoPackage (.gpkg)
  • Shapefile (.shp + .shx + .dbf)
  • AutoCAD Drawing (.dwg)
  • GPS Exchange Format (.gpx)

→ Sachdaten

  • Excel Spreadsheet (.xlsx)
  • Comma-separated values (.csv)
  • DataBase File (.dbf)
  • Textdatei (.txt)
Daten

«Daten sind analoge und digitale Informationseinheiten, die in diversen Formaten als Zahlen, Texte, Bilder, Videos oder Audios vorliegen» (Akademien der Wissenschaften Schweiz 2024: 4). 

Datenanalyse

Systematische Auswertung von Daten, um Muster, Zusammenhänge oder Trends zu erkennen. Aus den Ergebnissen werden Erkenntnisse abgeleitet und datenbasierte Entscheidungen getroffen.

Datenkompetenz (Data Literacy)

Datenkompetenz ist die Fähigkeit in einer kritischen Art und Weise Daten zu sammeln, zu verwalten, zu bewerten und anzuwenden. «Durch Data Literacy werden die Selbstbestimmtheit und das Verantwortungsbewusstsein gestärkt und eine respektvolle gesellschaftliche und wirtschaftliche Teilhabe aller in einer durch Digitalisierung geprägten Welt gefördert» (Akademien der Wissenschaften Schweiz 2024: 4).

«Unsere Zeit der sprunghaft anwachsenden Datenmengen in allen Bereichen erfordert die Ausbildung von Datenkompetenz als Schlüsselkompetenz für das 21. Jahrhundert

Ludwig und Thiemann (2020: 436), eigene Hervorhebung

In Anlehnung an Ridsdale et al. (2015: 2-3) können folgende fünf Kompetenzbereiche definiert werden:

  • Grundlagen
  • Datenanwendung
  • Datensammlung
  • Datenmanagement
  • Datenevaluation

Datenkatalog

Ein Datenkatalog ist ein zentrales Verzeichnis mit → Metadaten zu verfügbaren Datensätzen und dient als Wegweiser zu den vorhandenen Datenbeständen. Der Schweizer Datenkatalog für Open Government Data (OGD) ist opendata.swiss.

Datenqualität

Die Datenqualität (→ Metadaten) kann mittels folgender Kriterien bestimmt werden (nach ISO 19157 und Ehlers und Schiewe (2012: 39)):

  • Herkunft (seriöse Quelle)
  • Vollständigkeit
  • Logische Konsistenz (Daten sind widerspruchsfrei)
  • Geometrische Genauigkeit (Lage und Höhe)
  • Zeitliche Genauigkeit
  • Thematische Genauigkeit
Datenquelle

Ursprung beziehungsweise Herkunft von Daten. Die Datenquelle ist ein zentrales Kriterium für die Beurteilung der Datenqualität. Als vertrauenswürdig gelten beispielsweise offizielle Stellen wie Bundesämter oder Kantone (→ Datenkatalog).

Datensatz

Ein Datensatz ist eine strukturierte Sammlung inhaltlich zusammengehöriger Daten. Die zugehörigen Metadaten werden meist in einem Datenkatalog dokumentiert, um die Auffindbarkeit und Nutzung der Datensätze zu erleichtern.

Datentyp

Es lässt sich zwischen folgenden Datentypen bzw. Eigenschaften von Attributen unterscheiden (Ehlers und Schiewe 2012: 47-48):

DatentypDefinitionBeispiel
Nominalrein qualitativ, keine OrdnungLandnutzungsklassen
Ordinalsortierbar, natürliche RangfolgeGüteklassen (sehr gut, gut, …)
Intervallgleichabständige Skala, kein NullpunktTemperatur (Celsius)
Metrisch/Ratioabsoluter NullpunktNiederschlagsmessung
Datenvisualisierung

Grafische Darstellung von Daten, um Ergebnisse aus der Datenanalyse verständlich, übersichtlich und vergleichbar zu präsentieren.

Beispiele dafür sind:

  • Tabellen
  • Diagramme 
  • Karten 
  • Infografiken 
  • Dashboards 

«Data visualization is a collection of methods that use visual representations to explore, make sense of, and communicate quantitative data.»

Stephan Few (2017)

E

Ebene

Gleichartige räumliche Objekte (Strassen, Gewässer etc.) gehören jeweils zur gleichen Ebene. Eine Ebene stellt jeweils ein Sachverhalt/Thema dar und können beliebig kombiniert werden und sind beliebig ein- und ausblendbar.

Erzählen mit Daten (Data Storytelling)

Mit ‹Data Storytelling› werden Erkenntnisse in eine Geschichte mit Visualisierungen verpackt, um zu überzeugen und zu inspirieren. Es beinhaltet nach Dykes die folgenden drei Komponenten: 

  • Data
  • Narrative
  • Visuals

«When you combine the right visual and narrative with the right data, you have a data story that can influence and drive change«. 

Dykes 2020: 32, Hervorhebung von Dykes

Ein eindrucksvolles Beispiel zu diesem Thema ist die fesselnde Präsentation «200 Countries, 200 Years, 4 Minutes» von Hans Rosling:


Ethik

Ethische Aspekte sind laut den Akademien der Wissenschaften Schweiz (2024: 7) für alle Bereiche der Datenkompetenz relevant, von der Datensammlung bis zur Datenanwendung.  

Der Ethik-Kodex der Swiss Alliance for Data-Intensive Services (2020) definiert folgende übergeordneten Werte: 

  • Autonomie: Zustimmung zur Datennutzung ist intuitiv und kann später widerrufen werden 
  • Schadenverminderung: Nur Daten erheben, die relevant sind 
  • Gerechtigkeit: Kunde gibt Daten, was ist der Gegenwert? 
EVAP-Modell

‹EVAP› steht für die vier funktionalen Bestandteile eines Informationssystems:

  • Erfassung
  • Verwaltung
  • Analyse
  • Präsentation

F

Farben

Die Farbwahl hat einen grossen Einfluss auf die Wirkung der Datenvisualisierung und sollte sehr bewusst eingesetzt werden:

«When used sparingly, color is one of the most powerful tools you have for drawing your audience’s attention. […] The use of color should always be an intentional decision. Never let your tool make this important decision for you!»

Nussbaumer Knaflic (2015, S. 117), eigene Hervorhebung

Eine bewusste Farbwahl erhöht die Lesbarkeit (→ Barrierefrei), während eine unpassende Auswahl zu Fehlinterpretationen führen kann.

G

Geodaten

Geodaten haben einen räumlichen Bezug und sind mittels Koordinaten auf der Erdoberfläche lokalisierbar. Geodaten besitzen üblicherweise einen Geometrietyp (Punkt, Linie oder Polygon) und Attribute.

Geodienst

Mittels Geodienste können im Internet Geodaten zur Verfügung gestellt werden. Dadurch lassen sich räumliche Daten, welche z.B. der Bund oder die Kantone veröffentlichen, in GIS-Software einbinden. Gebräuchliche Standards, welche das Open Geospatial Consortium definiert hat, sind (nicht abschliessend):

Geographisches Informationssystem (GIS)

Ein Geographisches Informationssystem (GIS) ist ein computerbasiertes Werkzeug, womit raumbezogene Daten erfasst, gespeichert, bearbeitet, analysiert und visualisiert werden (Nyerges et al. 2011: 8). Per Definition (Ehlers und Schiewe 2012: 82) besteht ein GIS aus Hardware, Software (vgl. → EVAP-Modell), Daten und Anwendungen.

Diese Website beschäftigt sich dabei vor allem mit der Open-Source-Software → QGIS.


Geokodierung

Mit Geokodierung wandeln Sie Strassenadressen in Koordinaten um. Anschliessend können die Daten, welche nun einen Raumbezug aufweisen, auf einer Karte dargestellt werden.

Die ‹umgekehrte Geokodierung› bezeichnet die Umwandlung von Koordinaten zurück zu einer für Menschen lesbare Adresse.

GeoPackage

GeoPackage (.gkpg) ist ein offenes plattformunabhängiges Geodatenformat für Vektordaten und Rasterdaten. Entwickelt wurde es vom Open Geospatial Consortium (OGC). Ab QGIS 3.0 wird neu standardmässig GeoPackage anstatt Shapefile als Standardformat verwendet.


Georeferenzierung

Mit der Georeferenzierung wird für einen Datensatz einen Raumbezug hergestellt. Beispielsweise haben Sie eine gescannte Karte, welche Sie nun mit Koordinaten versehen möchten.

Ein Referenzpunkt auf der eingescannten historischen Karte (links) entspricht einem Punkt auf der Basemap (rechts).

H

Hypothese

Eine Hypothese ist eine begründete Annahme oder Vermutung, die überprüft werden soll. Im Kontext von Datenkompetenz und datenbasierten Entscheidungen dient sie als Ausgangspunkt für systematische Analysen: Sie wird mithilfe von Daten bestätigt oder widerlegt.

K

Kartendokument

Das Kartendokument (QGIS-Dateiendung: .qgz) speichert die Kartenansicht und verweist auf die verwendeten Geodaten und Sachdaten.

Kartenelement

Folgende Kartenelemente sind Bestandteil einer Karte (Peterson 2009):

  • Kurzer und prägnanter Titel
  • Legende
  • Massstab
  • Nordpfeil (oder Gradnetz)
  • Kartengrundlage/Datenquelle
  • Autorin/Autor
  • Datum

Kausalität

Eine Ursache-Wirkung-Beziehung zwischen Variablen. Dabei führt eine Veränderung der einen Variable (Ursache) zu einer Veränderung der anderen (Wirkung).

lat. causa: Ursache

Beispiel: Anbiotika kann bestimmte bakterielle Infektionen heilen.


Korrelation

Ein statistischer Zusammenhang zwischen zwei oder mehr Variablen.

lat. correlatio: wechselseitige Beziehung

Beispiel: Steigende Temperaturen führen dazu, dass mehr Eis gegessen wird. Das bedeutet aber nicht, dass das Eisessen die Temperaturen steigen lässt oder umgekehrt.


L

Legende

Eine Legende (→ Kartenelement) erklärt visuell die Bedeutung der in einer Karte verwendeten Signaturen, Farben und Muster.

M

Medienbruch

«Erfolgt bei der Übertragung von Informationen innerhalb der Übertragungskette ein Wechsel des Mediums, so wird von einem Medienbruch gesprochen» (Lackes 2018).

Beispiel (digital ↔ analog): 

  • Digital: PDF 
  • Papier: PDF ausdrucken und unterschreiben (analoges Medium) 
  • Digital: Einscannen → PDF 
Metadaten

Metadaten sind ‹Daten über Daten›. Erst anhand dieser Angaben lässt sich abschätzen, ob die Daten für das eigene Projekt geeignet sind. Mit geocat.ch besitzt die Schweiz einen zentrale Einstiegspunkt, wenn nach Geodaten von Bundesämter, Kantone, Gemeinden und private Firmen gesucht wird.

O

Objekt

Ein Objekt ist die kleinstmögliche Einheit in einem Vektordatensatz und weisen (vereinfacht) eine dieser Geometrietypen auf: Punkt, Linie oder Polygon. Mehrere Objekte eines Themas werden gemeinsam in einem Datensatz gespeichert.

Once-Only-Prinzip

Die Behörden erheben nur an einem Ort Daten und führen diese nach. Diese Daten stehen anschliessend allen berechtigten Verwaltungsstellen zur Verfügung und können mehrfach genutzt werden. Mit der Einführung des Once-Only-Prinzips werden Fehler minimiert (→ Datenqualität), Mehrfacheingaben vermieden und die Effizienz von Verwaltungsprozessen gesteigert.  

Open by Default

Open by Default ist ein Grundprinzip der öffentlichen Verwaltung, dem zufolge Daten grundsätzlich öffentlich zugänglich gemacht werden sollen. Es sei denn, es sprechen zwingende Gründe wie Datenschutz oder Sicherheit dagegen.

Open Government Data (OGD)

Open Government Data (OGD) sind offene und somit frei nutzbare Verwaltungsdaten. «Ein freier Zugang zu Verwaltungsdaten fördert Transparenz und Partizipation, stärkt die Verantwortlichkeit und trägt zur Steigerung der Wertschöpfung bei, etwa indem Innovationen gefördert oder neue Geschäftsmodelle ermöglicht werden» (Bundesrat 2018).


P

Pixel

Bildpunkt eines Rasterbildes (→ Rasterdaten), kleinste Speicher-Einheit.

Polygon

dt. Vieleck, aus dem Griechischen.

‹poly› → ‹viel›, ‹mehrere›
‹gon› → ‹Winkel›, ‹Ecke›

Q

QGIS

QGIS ist eine Open-Source-GIS-Software, welche modular mit Erweiterungen um zusätzliche Funktionalitäten ergänzt werden kann. Es unterstützt folgende Betriebssysteme:

  • Android
  • Windows
  • macOS
  • Linux

R

Rasterdaten

Rasterdaten bestehen aus Pixel, welchen jeweils Werte zugewiesen werden können. Im Vergleich zu → Vektordaten wird deshalb deutlich mehr Speicherplatz benötigt. Rasterdaten gibt es vor allem aus folgenden Quellen:

  • gescannte Karten
  • Orthofotos
  • Satellitenbilder

S

Sachdaten

Im Gegensatz zu → Rasterdaten und → Vektordaten besitzen Sachdaten keinen räumlichen Bezug. Mit der Funktion ‹Verknüpfungen› (QGIS) können diese thematischen Daten mit einem Vektorlayer verknüpft werden. Dafür wird ein gemeinsames Feld (Schlüssel) benötigt.


Shapefile

Das Dateiformat Shapefile (auch: Shapes oder Shapefile Feature Class) wurde von ESRI entwickelt und wird bis heute, trotz diversen Einschränkungen, sehr häufig genutzt (Stichwort: einfacher Datenaustausch). Ab QGIS 3.0 wird neu standardmässig GeoPackage anstatt Shapefile als Standardformat verwendet.


T

Thiessen-Polygon-Verfahren

Das Thiessen-Polygon-Verfahren (auch: Voronoi-Polygon-Verfahren) erstellt Polygone «nach dem Kriterium der kürzesten Distanz zum nächsten Punkt» (Spektrum 2021).


Topologie

Die Topologie beschreibt Nachbarschaftsbeziehungen zwischen Geoobjekten, d.h. die relative Lage zueinander. Beispiel: Der Kanton Basel-Stadt grenzt an den Kanton Basel-Landschaft aber nicht an den Kanton Graubünden.

Für die topologische Prüfung können Regeln festgelegt werden. Beispiele: «Zwischen Polygonen dürfen keine Leerräume auftreten» oder «Polygone dürfen sich nicht überlappen».


V

Vektordaten

Vektordaten bilden räumliche Objekte als Punkt, Linie oder Polygon ab. Im Vergleich zu → Rasterdaten werden die Knotenpunkte (x/y) gespeichert. Jedem Objekt können Informationen (→ Attribut) hinterlegt werden.


W

Web Feature Service (WFS)

Mit einem Web Feature Service können → Vektordaten über das Internet in eine GIS-Software eingebunden werden. Ein WFS ermöglich Objektabfragen.

Web Map Service (WMS)

Mit einem Web Map Service können → Rasterdaten über das Internet in eine GIS-Software eingebunden werden. Die angeforderte Karte wird als Rasterbild dargestellt. Mit einem WMTS (Web Map Tile Service) können die Ladezeiten reduziert weden. Objektbezogene Analysen sind mit einem WMS nicht möglich – dafür wird ein Web Feature Service benötigt.


Web Map Tile Service (WMTS)

Mit einem Web Map Tile Service können → Rasterdaten über das Internet in eine GIS-Software eingebunden werden. Im Gegensatz zu einem WMS werden die Daten bei einem WMTS kachelbasiert bezogen, was deutlich performanter ist. Objektbezogene Analysen sind mit einem WMTS nicht möglich – dafür wird ein Web Feature Service benötigt.

X

XYZ Tile Service

Ein XYZ-Kacheldienst ermöglicht es, ähnlich wie ein → Web Map Tile Service, gekachelte → Rasterdaten über das Internet in eine GIS-Software einzubinden.